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# Grammatik: Pronomen „Es“

## Funktionen von „es“ im Überblick (Tabelle)

| Funktion                          | Beschreibung                                                                      | Beispiele                                                                                | Obligatorisch?                       |
| --------------------------------- | --------------------------------------------------------------------------------- | ---------------------------------------------------------------------------------------- | ------------------------------------ |
| Stellvertreter für Neutrum        | Ersetzt ein neutrales Nomen („das“) oder verweist auf einen ganzen Satz.| „Das Mädchen läuft.Es trifft Freunde.“ / „Mein PC ist kaputt.Es war absehbar.“         | Ja (bei Bezug)                       |
  |
  Subjekt
  bei
  unpersö
  nlichen
  Verben |
  Dient
  als
  grammatisches
  Subjekt
  fü
  r
  Verben
  ohne
  logisches
  Subjekt
  (z.B.Wetter).| „Es
  regnet.“ / „Es
  donnert.“                                                             | Ja                                   |
  |
  Prä
  dikativersatz                  |
  Ersetzt
  ein
  prä
  dikatives
  Adjektiv
  oder
  Nomen.| „Ich
  war
  mü
  de.Du
  warst
  es
  auch.“ / „Sie
  sind Ä
  rzte
  und
  ihre
  Kinder
  wollen
  es
  werden.“   | Ja
  (bei Ellipse)                     |
  |
  Korrelat
  fü
  r
  Nebensatz            |
  Verweist
  als
  Platzhalter
  auf
  einen
  nachfolgenden
  dass-Satz
  oder
  Infinitiv.| „Es ä
  rgert
  mich, dass du spät kommst.“ → „Dass du spät kommst, ärgert mich.“ (ohne „es“) | Fakultativ                           |

| Platzhalter am Satzanfang | Hält die Satzstruktur (Subjekt + Prädikat), selbst wenn das Subjekt später folgt. | „Es freuen sich viele auf Weihnachten.“ → „Viele freuen sich auf Weihnachten.“ | Fakultativ (entfällt bei Umstellung) |

Erklärungen mit Beispielen

A. „es“ als Stellvertreter

  • Regel: Ersetzt neutrale Nomen („das“) oder ganze Sätze.
  • Beispiele:
  • „Das Buch liegt hier. Es ist spannend.“ (Neutrum)
  • „Mein Handy ist kaputt. Es war teuer.“ (Satzbezug)

B. „es“ bei unpersönlichen Verben

  • Typische Verben: Wetterphänomene (regnen, schneien) oder feste Wendungen.
  • Beispiele:
  • „Es gewittert.“ (Wetter)
  • „Es geht um das Thema Bildung.“ (Themen-Einleitung)
  • „Es gibt viele Lösungen.“ (Feste Wendung)

C. „es“ als Prädikativersatz

  • Regel: Vermeidet Wiederholungen im Prädikat.
  • Beispiele:
  • „Anna ist glücklich, und ich bin es auch.“ (ersetzt „glücklich“)
  • „Sie wird Lehrerin, und du wirst es auch.“ (ersetzt „Lehrerin“)

D. „es“ als Korrelat für Nebensätze

  • Regel: Verweist auf einen nachgestellten Nebensatz. Fällt bei Voranstellung weg.
  • Beispiele:
  • „Es ist wichtig, dass du lernst.“ → „Dass du lernst, ist wichtig.“
  • „Ich hasse es, früh aufzustehen.“ → „Früh aufzustehen hasse ich.“

E. „es“ als Platzhalter

  • Regel: Ermöglicht die Standard-Satzstruktur (Subjekt + Prädikat).
  • Beispiele:
  • „Es waren viele Gäste da.“ → „Viele Gäste waren da.“
  • Ausnahme bei „sein“/„werden“: „Draußen ist ein Vogel. Es ist eine Amsel.“ („es“ bleibt obligatorisch).

Wichtige Regeln im Vergleich

SituationBeispielRegel
„es“ entfällt bei Umstellung„Es regnet.“ → „Heute regnet es.“Bei unpersönlichen Verben bleibt „es“ immer.
Korrelat entfällt vorne„Es freut mich, dass du da bist.“ → „Dass du da bist, freut mich.“„es“ fällt weg, wenn der Nebensatz vorne steht.
Kein Rückbezug mit „es“„Das Konzert war laut. Das war anstrengend.“ (nicht „es“)Für Rückbezüge verwendet man „das/dies“.

„es“ als Platzhalter

Das Pronomen „es“ dient als Platzhalter für ein Subjekt oder Akkusativobjekt und verweist voraus auf das eigentliche „Sinnsubjekt“ oder „Sinnobjekt“ des Satzes. Dieses ist typischerweise:

  • ein Nebensatz mit dass oder einer indirekten Frage,
  • eine Infinitivkonstruktion.

Beispiele:

  • Subjekt: „Es wird häufig diskutiert, ob die Finanzierung ausreicht.“ → „Ob die Finanzierung ausreicht, wird häufig diskutiert.“ („Es“ entfällt bei Voranstellung).
  • Akkusativobjekt: „Viele Studierende betrachten es als selbstverständlich, eigenes Geld zu verdienen.“ → „Eigenes Geld zu verdienen, betrachten viele Studierende als selbstverständlich.“
RegelBeispiele
„Es“ steht auf Position 1, wenn ein Präpositionaladverb (darüber, davon) auf den Folgesatz verweist.„Es wird häufig darüber diskutiert, ob die Finanzierung ausreicht.“
„Häufig wird darüber diskutiert, …“ („Es“ entfällt).
„Es“ kann weggelassen werden, wenn der Satz mit es oder dem Verb endet.„Viele Studierende versäumen (es), sich anzumelden.“
„Sie möchten (es) versuchen, sich selbst zu finanzieren.“
„Es“ entfällt, wenn der Nebensatz (Sinnsubjekt/-objekt) vor dem Hauptsatz steht.„Ob die Finanzierung ausreicht, wird häufig diskutiert.“
„Dass Studierende arbeiten, halten manche für problematisch.“
Kein Rückbezug mit „es“: Für Rückverweise auf vorherige Sätze wird das/dies oder ein Präpositionaladverb verwendet.„Die Finanzierung reicht nicht aus. Darüber wird diskutiert.“
„Man sollte sich informieren. Das ist wichtig.“

Merkhilfe: Kurzzusammenfassung

  • Platzhalter-„es“ leitet einen Nebensatz/Infinitiv ein und entfällt bei Voranstellung.
  • Nur Position 1, wenn ein Präpositionaladverb (darüber) im Spiel ist.
  • Kein Rückbezug mit „es“ – stattdessen das/dies oder darüber/davon.

„es“ bei unpersönlichen Verben

  1. Wetterverben Diese Verben beschreiben Wettererscheinungen und sind immer unpersönlich:
VerbBeispielsatz
regnenEs regnet den ganzen Tag.
schneienEs schneit im Winter.
donnernEs donnert gewaltig.
blitzenEs blitzt am Himmel.
hagelnEs hagelt heute.
stürmenEs stürmt draußen.
nieselnEs nieselt leicht.
tauenEs taut im Frühling.
  1. Verben für allgemeine Zustände/Zeit Diese Verben beschreiben unpersönliche Zustände, Zeit oder Befinden:
VerbBeispielsatz
gebenEs gibt viele Möglichkeiten.
seinEs ist spät.
werdenEs wird dunkel.
gehenEs geht um das Thema Klimawandel.
fehlenEs fehlt an Geld.
mangelnEs mangelt an Unterstützung.
gelingenEs gelingt mir nicht, ihn zu erreichen.
scheinenEs scheint, als ob er lügt.
  1. Verben für Sinneseindrücke/Befinden Diese Verben drücken körperliche oder emotionale Zustände aus:
VerbBeispielsatz
frierenEs friert mich.
schaudernEs schaudert mich bei dem Gedanken.
juckenEs juckt mich am Arm.
hungernEs hungert mich.
dürstenEs dürstet mich.
  1. Feste Wendungen Unpersönliche Ausdrücke in festen Redewendungen:
WendungBeispielsatz
Es handelt sich um …Es handelt sich um einen Fehler.
Es kommt zu …Es kommt oft zu Missverständnissen.
Es liegt an …Es liegt an der schlechten Planung.
Es geht um …Es geht um deine Zukunft.
Es herrscht …Es herrscht Stille.
  1. Unpersönliches Passiv Auch das unpersönliche Passiv verwendet „es“ als Subjekt:
  • Es wird getanzt.
  • Es wurde viel diskutiert.
  • Es ist verboten, hier zu parken.